Beim Forum „Wohnen in Hattingen“ diskutierten wir am 04.03. im Avantgarde Hotel über die aktuelle Wohnsituation in Hattingen. Für fachlichen Input sorgten dabei sowohl politische Akteure als auch Vertreter verschiedener Wohnungsbaugesellschaften.

Forum Wohnen: Politik und Wohngesellschaften an einem Tisch

Für die Hattinger Wohnungsbaugenossenschaft (HWG) saß Christoph Wiesmann mit am Tisch, für EN-Wohnen war Alexander Dyck vor Ort. Sie diskutierten gemeinsam mit der Stadtentwicklungsausschuss-Vorsitzenden Melanie Witte-Lonsing (SPD) und unserem Bürgermeisterkandidaten Frank Mielke über die Wohnsituation in Hattingen. Geleitet wurde die Diskussion von unserem SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Manfred Lehmann.

Diskussionsveranstaltung “Wohnen in Hattingen”

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, welche Art von Wohnraum in Hattingen vorrangig gebraucht wird. Besonders wichtig sei, da waren sich die Beteiligten einig, dass der Wohnraum in Hattingen bezahlbar bleiben muss. Der Bestand an geförderten Wohnungen wird sich bis 2025 jedoch voraussichtlich auf nur noch 600 Wohneinheiten reduzieren. Mehr als 500 Wohnungen fielen in den kommenden Jahren aus der Mietpreisbindung.

Natürlich finden auch hochwertige Mietwohnungen in Hattingen ihre Abnehmer und gehören zum richtigen „Mix“ dazu. Aktuell fehlen aber insbesondere günstige Wohnungen für Familien mit Kindern und seniorengerechte kleinere Wohnungen. Es handele sich hier nach einhelliger Einschätzung um eine “sehr angespannte Lage in einem bestimmten Segment”.

Fördermöglichkeiten und Planungsansätze für das Wohnen in Hattingen

Während der Diskussion wurden verschiedene Ideen zur öffentlichen Förderung erörtert. So forderte Frank Mielke Verbesserungen bei den Förderungsbedingungen für Neubauten. Die Wohnungsbaugenossenschaften verwiesen auf die geringe Nutzung der Zuschussmöglichkeiten durch Wohngeld. Hier stellen bisher offensichtlich bei weitem nicht alle Berechtigten auch einen entsprechenden Antrag – ein Punkt, den wir politisch auch nochmal aufgreifen werden.

Darüber hinaus können günstige Wohnungen nur entstehen, so die Fachleute, wenn auch preiswerte Grundstücke angeboten werden. Dazu biete sich die Vergabe von geeigneten Grundstücken im Erbbaurecht an. Das senke die Kosten und stelle sicher, dass nur geförderter Wohnraum entstehe. Dazu verwies Melanie Witte-Lonsing auf die Hattinger Besonderheit, dass bei Projekten ab 10 Wohneinheiten eine Sozialquote von 25 % geförderten Wohnungen eingehalten werden müsse. Die SPD-Fraktion hatte das im Rat durchgesetzt. Hattingen ist damit Vorreiter im EN-Kreis.

Die Frage nach „studentischem“ Wohnraum in Hattingen beantwortete die HWG mit dem Hinweis auf ein bereits laufendes Projekt. Dabei vermietet die HWG Wohnungen im Vorfeld von Sanierungen mit befristeten Verträgen für kleines Geld an junge Leute. Derzeit gibt es rund 100 entsprechende Verträge. Ob und in welcher Form ein Studentenwohnheim in Hattingen umsetzbar wäre, blieb erst einmal offen.

Herausforderungen für die Schaffung günstigen Wohnraums

laut Melanie Witte-Lonsing bestehe für Hattingen nach aktuellen Prognosen ein Bedarf von rund 20 Hektar neuem Wohnraum in den kommenden Jahren. Nun könne man natürlich, so Mielke, für Hattingen “kein zweites Geschoss einziehen”. Es müsse also nach Möglichkeit dort entwickelt werden, wo bereits Strukturen bestünden. Dies sei aber nochmal ein ganz eigenes Spannungsfeld.

Christoph Wiesmann (l.) spricht auf dem Forum für die HWG

So sei die Schaffung von Wohnraum natürlich wichtig, aber der Ortsteil brauche dafür auch die entsprechende Infrastruktur. Dazu zählen etwa ÖPNV-Verbindungen, Einkaufsmöglichkeiten oder auch einfach nur Parkplätze. Beim Konzept der “Nachverdichtung” in den einzelnen Stadtteilen müsse man auch immer das Gesamtbild im Auge haben und solche Punkte direkt mitdenken – von der E-Ladesäule über Fahrrad-Stellplätze bis zur PKW-Stellfläche und mehr.

Diskussionsrunde zum Wohnen in Hattingen

Während der Gesprächsrunde konnten sich auch die Zuhörer der Veranstaltung gerne einschalten, wenn spezifische Fragen oder Anregungen bestanden. So meldete sich etwa ein Paar zu Wort, das selbst schon erhebliche Verzögerungen in Hinblick auf Genehmigungsverfahren in Hattingen erlebt hatte. Das eigene Bauvorhaben könne schon seit Monaten nicht weiterlaufen, weil das Verfahren feststecke und die zuständige Abteilung komplett überfordert sei.

Mit der Anregung eines verbesserten „Leerstandsmanagements“ könne man bestehenden Wohnraum schneller wieder nutzen. Und mit einer deutlichen Beschleunigung von Baugenehmigungen könnten viele Projekte, die heute schon in der Vorbereitung sind, endlich auch begonnen werden. Dem schlossen sich die Diskutanten an. Lehmann dazu: „Eine Weiterentwicklung unserer Stadt wird nur gelingen, wenn wir endlich die bürokratischen Hürden überwinden“. Dazu ergänzte Frank Mielke: „Auch das Baurecht kennt die Ausübung eines sachgerechten Ermessens. Es wird Zeit, dass dies auch in Hattingen zum Tragen kommt! Da muss die Stadtspitze klare Zeichen setzen!“.

Wohnen in Hattingen auch Thema bei der kommenden Programmdiskussion

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Forums für ihre Anwesenheit. Die Ideen und Anregungen des Abends werden wir bei der Erarbeitung eines aktuellen Programmes zu den Kommunalwahlen 2020 aufgreifen und verarbeiten.

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